Leipzig, 7.10.2011: Mutter Kannada hält Einzug ins Vaterland
Die Grundsatzvereinbarung, nach der die Regierung von Karnataka während eines Zeitraums von fünf Jahren jeder der Universitäten Zuschüsse in Höhe von 10 Mio. Rupien leisten soll, ermöglicht diesen den Aufbau einer umfassenden Bibliothek, Gastprofessoren einzuladen sowie Sprachaufenthalte von Studenten in Karnataka zu unterstützen und sich gleichzeitig für die Förderung des Kannada in ganz Europa einzusetzen.
Die Universität München geht einen Schritt weiter und bietet am Institut für Indologie und Tibetologie im Zuge ihres Reformprozesses neben Sanskrit nun auch Kannada als Hauptfach an. Bisher wurde an der Universität nur Sanskrit als Hauptfach angeboten und die Studenten konnten wahlweise eine der indischen Regionalsprachen belegen (je nach Verfügbarkeit von Dozenten). Doch da es für Kannada weder Lehrpersonal noch die nötige Infrastruktur gab, konnten die Studenten Kannada bisher nicht als Studienfach belegen.
„Doch ab dem kommenden Jahr wird die Universität München Studien- und Postgraduiertenkurse in Kannada anbieten. Damit legt erstmals eine Universität außerhalb Indiens einen Schwerpunkt auf das Studium dieser Sprache“, erklärte Robert J. Zydenbos, Professor für Kannada am Institut für Indologie und Tibetologie der Universität München gegenüber dem Deccan Herald.
Prof. Zydenbos und Prof. B. A. Viveka Rai, ehemaliger Vizekanzler der Karnataka State Open University und derzeit Gastprofessor am Lehrstuhl für Indologie der Universität Würzburg, leisten einen wichtigen Beitrag zur Wiederbelebung des Kannada-Studiums an deutschen Universitäten.
Die Regierung von Karnataka unterzeichnet neben den Vereinbarungen mit den deutschen Universitäten auch eine ähnliche Grundsatzvereinbarung mit der Universität Wien in Österreich. Prof. Zydenbos, der seit einem Jahrzehnt an der Universität München Kannada lehrt und europaweit heute die vielleicht einzige Vollzeitprofessur für diese Sprache innehat, sagte, dass es an allen vier Universitäten vor ungefähr 15 Jahren noch Zentren für Kannada-Studien gab. Doch da es an der nötigen Infrastruktur fehle, laufe dort praktisch nichts mehr.
Prof. Viveka Rai lehrt seit 2009 die Sprache und Folklore des Kannada an der Universität Würzburg. Sein Vertrag als Gastprofessor wurde zunächst für zwei Jahre geschlossen und jetzt um ein Jahr verlängert.
Unter Studenten in Europa und anderswo ist Kannada eine der meistgefragten indischen Sprachen. Wer sie erlernt, gewinnt ein tieferes Verständnis der indischen Kultur und Tradition. Doch die Lehrstühle für Indologie verfügen hier nur über begrenzte Mittel und sind nicht in der Lage, die nötigen infrastrukturellen Voraussetzungen für alle indischen Regionalsprachen zu schaffen.
Die Initiative der Regierung von Karnataka wird viel zur weltweiten Förderung des Kannada beitragen, erklärte Prof. Zydenbos. Er sagte, er würde es begrüßen, wenn die Regierung von Karnataka sich noch großzügiger zeigen und den Förderbetrag erhöhen würde, damit die drei anderen Universitäten, darunter Wien, ebenfalls Studien- und Postgraduiertenkurse in Kannada anbieten könnten.
“Mit 10 Mio. Rupien für fünf Jahre könnten die Universitäten nur Crash-Kurse anbieten. Alle Universitäten wollen Reformen durchführen und die indologischen Fakultäten in diesem Zuge dahingehend umgestalten, dass eine der indischen Sprachen neben Sanskrit als Hauptfach angeboten wird. Die Regierung von Karnataka sollte diese Gelegenheit nutzen, um Kannada zu fördern“, erklärte er.
veröffentlicht am 7. Oktober 2011 im Deccan Herald.
Übersetzt von Angela Selter.