Hyderabad, 12.3.2012: Happy Holi

Am Anfang sieht es jedoch kurz so aus als würde das indische Frühlingsfest für mich komplett ausfallen. Die Straßen Hyderabads sind leer. Kaum Menschen, wenige Autos und Motorräder. Ein paar Typen die Kokosnüsse von einem großen Laster in einen kleinen umladen. Mehr nicht. Kinder und Jugendliche, die sich grölend mit Farben bewerfen, finde ich auf meinem Spaziergang durch den Stadtteil Secunderabad nicht.
Dabei ist Holi eines der ältesten und beliebtesten Feste Indiens. Im Norden des Landes wird es in manchen Regionen bis zu zehn Tage lang gefeiert. Angeblich sind an diesem Tag alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und Status aufgehoben. Viele Farben, die später in ausgelassen Farbschlachten verwendet werden, werden vorher auf dem Altar geweiht. Segenswünsche oder zumindest ein „Happy Holi“ überbringen sich fast alle hier.
Den Grund für die menschenleeren Straßen verrät mir mein „Deccan Chronicle“-Kollege Natraj: Die Abschlussarbeiten des ausgehenden Schuljahres stehen bevor. Die sind so wichtig, dass viele Kinder zu Hause bleiben und lernen. Damit ich doch noch eine richtige Holi-Party mitbekomme, nimmt mich Natraj mit nach Hause. Dort im Hinterhof fliegen die Fetzen und die Farben. Zwei Stunden haben die Kinder der Nachbarschaft. Dann soll es zurück an den Schreibtisch gehen. Zwei Stunden und der „Uncle from Germany“ im weißen T-Shirt. Happy Holi.
veröffentlicht am 12.März 2012 in der Hamburger Morgenpost.