Hyderabad

Hyderabad, 27.2.2012: Lockruf der Autos

Neulich hat mich in der Nacht ein Vogel aufgeweckt. Zumindest klang das Geräusch wie der Paarungsruf eines seltenen asiatischen Vogels. „Uuuhark, Uuuhark, Uuuhark.” Pause. „Uuuhark, Uuuhark, Uuuhark.” Pause. Hat ungefähr zwei Minuten gedauert, dann war Schluss mit Balzen. Jedenfalls dachte ich das.

Auf dem Weg zum Mittagessen ging es dann wieder los. Ganz andere Stelle in der Stadt, mitten am Tag. „Uuuhark, Uuuhark, Uuuhark.” “Was ist das für ein Tier”, habe ich meinen Kollegen Natraj gefragt und bin auf eine Mischung aus Fassungslosigkeit und kindliche Freude gestoßen. „Das ist doch kein Tier, Mann”, hat Natraj gesagt. „Das ist das Warnsignal das beim Rückwärtsfahren ertönt.” Und tatsächlich direkt vor uns parkte ein Auto aus.

Das Warnsignal war mir vorher nicht aufgefallen. Dafür ist es tagsüber in Hyderabad einfach zu laut. Hupende Autos, rufende Menschen, muhende Kühe, rasende Busse. „Wir haben dieses Signal an unseren Autos, weil hier beim rückwärtsfahren niemand aufpasst”, hat Natraj gesagt. Nützt aber natürlich auch nichts. Schließlich geht der Balzruf der rückwärtsfahrenden Autos im Lärm einfach unter. Nur in der Nacht, da kann ihn jeder hören.

Mittlerweile habe ich gelernt, dass es das Signal auch in verschiedenen Melodien gibt. “Jingle Bells” zum Beispiel. Was ich noch nicht gehört habe ist “Highway to Hell”. Das sollte hier als Standard-Warnton angeboten werden.

Philipp Dudek
veröffentlicht am 27.Februar 2012 in der Hamburger Morgenpost.