Frankfurt

Frankfurt, 7.3.2012: Ein Spiel dauert drei Stunden

 © © Foto: Bernhardt LudewigCricket ist in Indien Nationalsport und wird auch in Frankfurt von Landsleuten gepflegt.

Cricket! Ist das nicht dieses Spiel, das zwei bis drei Tage dauert?“, so die Frage aus den Reihen meiner Kollegen bei der Frankfurter Rundschau.

Und mit dieser einzigen Frage ist alles gesagt, was die meisten Deutschen vom Cricket halten, einem Spiel, das auf dem indischen Subkontinent – um es einmal ganz klischeehaft auszudrücken – keinen geringeren Stellenwert hat als den einer Religion.

Doch inmitten dieser Gleichgültigkeit ist es passionierten Cricket-Freunden gelungen, in der Region um Frankfurt Vereine zu gründen und das Spiel am Leben zu erhalten. Dabei ist es kein Zufall, dass die meisten Mitglieder dieser Vereine aus Indien, Bangladesch, Pakistan und Sri Lanka kommen.

„Ich bekomme jede Woche mehrere E-Mails von Männern und Frauen, die dem Frankfurter Cricket Club beitreten möchten. Die meisten kommen vom Subkontinent, aber wir haben auch Mitglieder aus England und Australien“, erklärt Salim Khan, Präsident des Frankfurter Cricket Clubs – dem bekanntesten in Frankfurt und dem einzigen, in dem auf einem vollwertigen Cricket-Feld gespielt wird. Der Frankfurter Cricket Club hat aktuell rund 40 Mitglieder.

Khan, der pakistanischer Herkunft ist, lebt seit 41 Jahren in Frankfurt und ist dem Club seit seiner Gründung verbunden. „In Frankfurt leben viele Menschen aus Südasien, und es war nie schwierig für uns, Mitglieder zu gewinnen. Allerdings stimmt es, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung weiterhin wenig Interesse an dem Spiel hat und wenig darüber weiß“, so Khan.

Aufgrund der kalten Temperaturen können die Vereine nicht das ganze Jahr über Spiele veranstalten. Daher beginnt die Cricket-Saison im April beziehungsweise Mai und dauert bis zum Oktober. Nach wie vor ist es die häufigste Fehlannahme, dass ein Cricket-Spiel mehrere Tage dauert. Da in Deutschland praktisch kein Interesse an dem Sport besteht, schaute hier natürlich auch niemand zu, als 1971 das erste internationale Ein-Tages-Match abgehalten wurde oder als 2005 das erste internationale T-20-Spiel stattfand. Ein T-20-Spiel dauert rund 3 Stunden und wurde eingeführt, um das Spiel interessanter zu machen. Seither erfreut es sich enormer Beliebtheit.

Doch die passionierten Cricket-Freunde lassen sich von der Interesselosigkeit nicht abschrecken. „Wir spielen Cricket, weil wir das Spiel lieben. Das hat nichts mit Nationalität zu tun, und wir wollen damit auch nichts beweisen. Es macht uns einfach Spaß. Die Einheimischen hier werfen uns oft neugierige Blicke zu, aber ich habe es noch nie erlebt, dass ein Deutscher ernsthaftes Interesse daran gezeigt hätte, Cricket zu spielen. Hier steht der Fußball einfach an erster Stelle“, sagt Amitabh Kumar, der als Ingenieur bei Tata Consultancy Services in Frankfurt arbeitet und Cricket während des Sommers jedes Wochenende als Freizeitsport betreibt.

Mallica Joshi
veröffentlicht am 7. März 2012 in der Frankfurter Rundschau.