Bangalore, 24.4.2012: Deutsche Musiker und DJs auf Club-Hopping in Bangalore

Die zwölf Deutschen sind sowohl Livekünstler und DJs als auch Organisatoren von Musikfestivals und Leute aus der Musikwirtschaft. Sie vertreten vorwiegend die elektronische Musik, aber nicht nur: Auch vom Wacken Open Air, dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt im Großraum Hamburg, ist jemand dabei.
Zwölf Tage halten sie sich in Indien auf, darunter zwei Tage in Bangalore. Es geht darum, Netzwerke zwischen deutschen und indischen Künstlern, Produzenten und Musikveranstaltern zu bauen. Nicht nur im Deutschland-Indien-Jahr 2011/2012, sondern darüber hinaus. Kontakte gibt es seit etwa fünf Jahren. So war das indische DJ-Duo Blot schon mehrmals in Deutschland. „Wir haben gleiche Ziele, die kann man gemeinsam besser lösen. Das hilft unserer Szene, aber auch der ganzen Musikbranche“, sagt Nadine Riede von der Berlin Music Commission. Ralf H. Christoph vom Kölner Festival c/o pop ergänzt: „In Indien ist die Bollywood-Musik größer als alles andere, größer als Madonna, Rihanna oder Katy Perry. So etwas ist einzigartig in der Welt. Trotzdem gibt es immer mehr Leute, die sich für elektronische Musik aus Westeuropa interessieren. Entscheidender Treiber ist das Internet.“
Am Sonntagabend standen vier DJs aus Berlin, Hamburg und Köln beim Festival „Supernova“ für elektronische Musik in Bangalore auf der Bühne. Die zwölf Reisenden waren zuerst in Mumbai und fliegen nun weiter nach Delhi. Sie wollen in Workshops berichten, wie sie große Massen-Festivals hinsichtlich Logistik, Sicherheit und Sauberkeit organisieren, wie sie Events promoten, welche Basics in Verträge mit deutschen Künstlern gehören oder wie man sich ein Label aufbaut.
Deutsche Musiker und DJs spielen gern in Indien, weil die Szene für sie sehr spannend ist, weil sie hier Fans haben und es für viele Inder kaum möglich ist, zu einem Festival nach Deutschland zu fliegen. Aber es gibt auch große Unterschiede. Elektronische Musik kommt in Deutschland aus dem Untergrund, von der Straße. Sie hat ihren Ursprung oft in besetzten oder zwischengenutzten Häusern – solche Orte gibt es in Indien kaum. Ausländische Künstler spielen in Indien dafür oft vor einem sehr zahlungskräftigen Publikum, das sich die hohen Eintrittspreise leisten kann (bei der Supernova kostete das Ticket 1500 Rupien, für Early Birds 800 Rupien). Und noch ein großer Unterschied: In Karnataka müssen Veranstaltungen um 23 Uhr beendet sein. In Deutschland dagegen zieht das Partyvolk erst gegen Mitternacht los. Gefeiert und getanzt wird bis zum Morgen, danach geht man gleich frühstücken.
veröffentlicht am 24. April 2012 in der Leipziger Volkszeitung.