Bangalore

Leipzig, 10.4.2012: Gespannt auf Affen, Sari, Ayurveda

 © Leipziger Volkszeitung „Na, sind Sie schon aufgeregt?“, werde ich in den letzten Tagen öfter gefragt. Ja, bin ich! Nur noch ein Tag, dann wird es für mich ernst: Morgen fliege ich für vier Wochen nach Indien. Ich bin beim Journalisten-Austauschprojekt „Nahaufnahme“ dabei, Anlass sind 60 Jahre deutsch-indische Beziehungen.

Ob ich alle Impfungen habe, fragt mich Journalistenkollege Florian Meesmann vom MDR. Der 41-Jährige ist gerade erst mit seiner Familie aus Indien zurückgekehrt, war vier Jahre lang ARD-Korrespondent in Südasien und kennt sich bestens aus. Ich soll mich darauf gefasst machen, dass Kühe und Elefanten in der Stadt rumlaufen, ich soll im Hotel nicht das Fenster offen lassen, sonst können Affen reinkommen – und mich überhaupt auf Getier aller Art gefasst machen.

Ja, die Impfungen habe ich. Mein Impfausweis war bereits gut abgestempelt, jetzt sind noch Typhus (eine Impfung) und Tollwut (drei Impfungen) dazugekommen, Kosten insgesamt knapp 200 Euro. Auch gegen Durchfall, Insektenstiche und die starke Sonne bin ich gerüstet. Florian blättert mit mir im Reiseführer, gibt Ausflugstipps, macht mich neugierig: „Indien ist ein faszinierendes Land voll reicher Sinneseindrücke, aber es lohnt sich, sehr genau hinzuschauen. Man kann das Land lieben oder hassen, auf jeden Fall kann es einem nicht egal sein.“ Er rät mir, mich auf andere hygienische Gepflogenheiten gefasst zu machen und beim Geld aufzupassen: Sobald jemand mit blonden Haaren und heller Haut auftauche, verdreifache sich der Preis.

Die ersten drei Tage meines vierwöchigen Aufenthaltes verbringe ich in Mumbai, der größten Stadt Indiens mit 18 Millionen Einwohnern. Ich war noch nie in einer solchen Megacity, aber zum Glück ist ja das Goethe-Institut vor Ort, mein Gastgeber. Mumbai ist Hafenstadt, Wirtschaftsmetropole und Sitz der Film-Traumfabrik „Bollywood“. Mich zieht es zur Eröffnung des „Mobile Space“, eine Art wandernde Expo. Ich stelle mir künstlerisch gestaltete Pavillons vor, in denen Deutschland seine Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung präsentiert. Auch Bundesregierung, Bundesländer und Kommunen werden vertreten sein. Im Deutschland-Indien-Jahr 2011–2012 gastiert diese Ausstellung für je zehn Tage in mehreren Metropolen.

Die meiste Zeit aber verbringe ich in der Sieben-Millionen-Stadt Bangalore, wo ich bei der Zeitung Deccan Herald arbeiten werde. Dort sehe ich meinen indischen Kollegen PM Raghunandan wieder, den ich im vergangenen Herbst vier Wochen lang in Leipzig betreuen durfte. Ich hatte ihn damals zum Leipziger Opernball mitgenommen, dafür musste er erstmals in seinem Leben einen Smoking anziehen. Mal sehen, vielleicht werde ich in Indien einen Sari anprobieren, und Raghus Frau gibt mir Wickelanleitung? Außerdem wäre es mein Wunsch, mal ein verlängertes Wochenende in einem Ayurveda-Center zu verbringen. Ich bin gespannt, was davon klappt, und werde in der LVZ berichten. Für alles, was die Inder vielleicht über Leipzig wissen wollen, bin ich von Leipzig-Tourismus bestens mit englischsprachigem Infomaterial ausgerüstet.

Kerstin Decker
veröffentlicht am 10. April 2012 in der Leipziger Volkszeitung.