Jakarta

Jakarta, 26.6.2011: An der Damenschuh-Rolltreppe

 © Sören Kittel an der High-Heel-Rolltreppe in Jakarta © Foto: Sören KittelAus Anlass des Jakarta Berlin Arts Festivals: Fünf Regeln für eine Reise in Indonesiens Hauptstadt.

Bis zum 3. Juli läuft noch die erste Ausgabe des Jakarta Berlin Arts Festivals. Rund 150 indonesische Künstler vermitteln dabei in Berlin einen ersten Eindruck von Jakarta. Vielleicht machen sie dabei ja ein wenig Appetit auf einen Besuch in ihrer Hauptstadt. Dazu muss man zunächst Folgendes wissen: Jakarta sieht sich gerne als aufgeräumte und grüne Stadt, doch in der Realität finden sich viele Staus und große Betonwüsten. Das ist für viele Touristen zunächst abstoßend, doch wer die folgenden fünf Regeln befolgt, kann seinen Aufenthalt in der aufregenden 14-Millionen- Einwohner-Metropole zum perfekten Auftakt einer Indonesien-Tour machen.

1. Auf Jakartas Straßen gibt es außer dem Linksverkehr keine Regeln.
Die cleverste Taktik, die ganztägige Rushhour zu umgehen, besteht darin, ein „Ojek“ zu besteigen (gesprochen: Odjek). Das sind Motorradtaxis, die an Straßenecken handgemalte Schilder aufstellen. Ojek-Fahrer kennen sich sehr gut aus, zeigen beim Fahren Sehenswürdigkeiten und bieten sowohl Helm als auch Regencape an. Geschickt schlängeln sie sich durch Stau und Nebenstraßen, und der Fahrtwind lässt vergessen, dass man unter einer Dunstglocke düst. Zudem kann man rasante Handy- Aufnahmen durch den Hochhausdschungel zeigen. Das führt zu Regel 2:

2. Unbedingt ein Smartphone dabeihaben.
Wer eines hat, verläuft sich (dank GPS und günstigen SIM-Karten) nicht zwischen den Straßen, die meist nach Generälen benannt sind. Außerdem lernt man mit Blackberry, iPhone und Co. Viel leichter Einheimische kennen: Jakartaer sind fast alle Mitglied in sozialen Netzen wie Facebook, Twitter und Friendster und benutzen diese Kommunikationsmittel permanent mobil. Ob im Gehen, im Stau, im Café oder auf dem Ojek. Deshalb:

3. Freundlich bleiben, wenn Indonesier den ersten Schritt machen.
Besonders vor Sehenswürdigkeiten und in Museen werden Touristen angesprochen: „Entschuldigen Sie, darf ich ein Foto mit Ihnen machen?“ Die wachsende Mittelschicht in Jakarta spricht sehr gutes Englisch, und besonders Deutsche sind beliebt. Sowohl Ex-Präsident Habibie als auch der derzeitige Bürgermeister von Jakarta, Fauzi Bowo, haben in Deutschland studiert, die Autobahn zur Nachbarstadt Bandung ist von Deutschen gebaut worden – ebenso wie die größte Moschee in ganz Südostasien, die beeindruckende „Istiqlal“ im Zentrum Jakartas. Schließlich lohnt es sich auch, Indonesier in ein Gespräch zu verwickeln, da sie am besten wissen, welches der vielen Viertel der schnelllebigen Stadt gerade besonders angesagt ist. Die wichtigste Regel lautet:

4. Jakarta ist eine Stadt, die sich in „Inseln“ aufteilt.
Das passt gut zu einem Land wie Indonesien, das aus 13 477 Inseln besteht. Die Stadt-Inseln sind große Gebäudekomplexe, die durch fünfspurige Straßen oder weitläufige Fußgängerbrücken zu erreichen sind. Erst wer das versteht, hat eine Chance, Jakarta in ein paar Tagen für sich zu erschließen. Die wichtigsten „Inseln“ sind: Kota, Menteng, Blok M, Kemang, der Hafen – und schließlich die rund 100 Malls: zum Freundetreffen, Musikhören, Essen und Trinken. Also:

5. Das Einkaufszentrum lieben lernen.
Ohne ein „Plaza“ zu betreten, geht in Jakarta eigentlich kein Tag zu Ende. In diesen architektonisch verspielten Komplexen (Rolltreppen in Form eines Damenschuhs) gibt es nicht nur exzellente Restaurants, Geschäfte und Cafés, sondern auch Kinos, in denen statt Sitzreihen Doppelbetten eingebaut sind („Blitz Megaplex“), Tanzclubs, an deren Wänden herzförmige Leuchtdioden strahlen („Dragonfly“), und seit wenigen Monaten das „Paulaner Bräuhaus“, in dem Indonesier mit Lederhose und Dirndl bedienen („Grand Indonesia“).

Sören Kittel
veröffentlicht am 26. Juni 2011 in DIE WELT.

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