Dortmund

Dortmund, 8.10.2010: Romantik bei einer Tasse Kaffee

 © Café in Dortmund © Viet Hung NguyenRedakteur Hung Nguyen Viet aus Vietnam ist dank des Goethe-Instituts Gast im Ruhrgebiet und berichtet von seinen Eindrücken.

Einen Monat lang ist Hung Nguyen Viet aus Hanoi, Vietnam, Gast des Ruhrgebiets. Dank des Journalistenaustausche „Nahaufnahme“ des Goethe-Instituts spürt er dem Puls der Menschen des Potts nach. Den ersten Bericht seiner Eindrücke hat Nadine Albach übersetzt:

Der Flug aus Hanoi landet am Flughafen Frankfurt. Ich muss mein Gepäck kaum schieben, schon bin ich an der Bahnstation. Der ICE rast in das Ruhrgebiet, vorbei an modernen Städte und grünen Landschaften. Nach zwei Stunden komme ich in Dortmund an - Teil der Kulturhauptstadt 2010 und Heimat des berühmten BVB. Im einstigen Industriezentrum, in dem Kohle und Stahl die Umwelt verschmutzten, sind Spuren dieser Vergangenheit nur noch im Museum zu finden. Alles ist sehr grün und sauber. Dortmund hat sich erfolgreich zu einem Zentrum für Dienstleistung, IT und Logistik gewandelt.

Besonders beeindruckt bin ich von der sauberen, schönen Einkaufsstraße mit ihren vielen Läden, Restaurants und Cafés, die immer voller Menschen ist. Während ich flaniere, frage ich mich, ob die Finanzkrise Deutschland nicht berührt hat - oder zumindest Dortmund nicht. Die Modegeschäfte sehen nicht schlechter aus als in Paris, Rom oder New York. Allerdings gibt es zahlreiche Billigläden und 1-Euro-Shops.

Obwohl es Oktober ist, empfinde ich das herbstliche Klima als relativ warm und angenehm. Die Cafés locken draußen mit Tischen und Stühlen Gäste an, die Kaffee trinken und das Treiben beobachten. Der Kaffee schmeckt köstlich, die Tasse kostet 2 bis 4 Euro. Für deutschen Lebensstandard angemessen – für Hanoi aber, wo eine Tasse 50 Cent kostet, ist das teuer.

Ich sehe viele ältere Paare Hand in Hand. Vielleicht ist es ähnlich wie in Vietnam, wo die Menschen der älteren Generation einander treuer sind als die der jüngeren. Nachts aber sind Cafés und Bars die Welt der Jugend. Wenn es um Restaurants, Bars und Cafés geht, kommt man an Bochum nicht vorbei: Dort ist das Bermuda Dreieck, ein gut besuchtes Zentrum von Shopping und Unterhaltung. Nachts sind der Luxus der Geschäfte, das Funkeln der Lichter und die Menschenmassen umwerfend. Auch die Dekoration für Halloween fällt mir auf. Beeindruckt bin ich, dass Tausende in den Cafés sitzen - und es so ruhig ist. Sie sprechen nur so laut, dass sie einander verstehen, die Atmosphäre ist warm und romantisch. Wer hierher kommt und einen Kaffee trinkt, versteht, warum das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas ist.

Viet Hung Nguyen
veröffentlicht am 8. Oktober 2010 in der Westfälischen Rundschau.

Aus dem Vietnamesischen übersetzt von Cao Quang Nghiep.

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