Tamale, 16.12.09: Von Afrika geküsst

Was sollten die Menschen in Freiburg von dem Unterstützerprojekt AIM in Afrika wissen? AIM das steht für African Information Movement, – und es steht für ein Projekt, das einst mit starker Rückbindung an Freiburg an der Südküste Ghanas entstand. Sechs Flugstunden und einen mittleren Kulturschock weit weg.
Ratlos schauen sich Mitarbeiterinnen und Dorfälteste, Projektverantwortliche und Dorfbewohner an diesem Nachmittag in Komenda an. Schließlich spricht Papa Kodwo Mbir, sozial bewegter Historiker, Autor und Agitator mit aufmüpfig funkelnden Augen und ergrauten Haaren, der aus dem ärmlichen Fischerort Komenda stammt und auch heute noch hier lebt: „Naja, erstmal ist das ja unfassbar, dass von euch überhaupt mal richtige Journalisten herkommen, um sich vor Ort anzuschauen, was AIM hier bewegt.“ Die Sozial- und Bildungsarbeit, für die sich AIM-Mitarbeiter seit drei Jahren in Komenda einsetzen, hat mehr geschafft, als nur ein Dutzend junge Menschen aus Deutschland für Freiwilligendienste hierherzubringen. Die Idee der Menschen vor Ort und die Absicht der Langzeitgäste (Volontärinnen und Zivildienstleistende bleiben mindestens ein Jahr) ist so simpel wie überzeugend: Die für junge Menschen wenig attraktive Kommune Komenda soll Lebensqualität und Perspektive entwickeln. Jugendclub, Musik-, Theater- und Filmprojekte gehören ebenso zu den Angeboten, die im Laufe der Zeit entstanden sind, wie das Volleyballteam und die Kick-Runden, bei denen die SC-Trikots zum Einsatz kommen.
In Freiburg nämlich wirbeln hiesige Helfer für AIM und haben längst den Sportclub mit an Bord geholt, der mit Sachspenden zum Gelingen des sympathischen Projekts beiträgt. Als nicht nur sympathisch sondern als regelrecht privilegiert beschreibt Gemeinderatsmitglied William Batch seinen Heimatort Komenda. Der 54-jährige hat etliche Helferinnen und Helfer von Organisationen aus vielen Ländern in Ghana agieren sehen – diese hier, sagt er klar und bedächtig, sind anders: „They mingle with us, they are with the locals.“ Die mischen sich unter uns, sie leben mit den Einheimischen. Soll heißen, sie wohnen nicht ihn eingehegten Wohnanlagen, sondern mitten im Ort, – Komfort sieht anders aus.
Das ungewöhnliche Miteinander ist auch an einer entscheidenden Kleinigkeit zu hören: Wer hiermitarbeitet, spricht Fante – die regional bedeutsamste Sprache. Ob Jana Peters, die die Arbeit in den drei Jugendzentren organisiert oder Musikerin Milena Minuth, die das Band-Projekt betreut – Berührungsängste oder Helfersyndrom sind hier nicht festzustellen. Das kommt auch bei denen gut an, für die das Projekt einst gestartet wurde. Die Jugendlichen in Komenda machen nicht nur bei den Projekten mit, sie übernehmen selber Verantwortung.
Zum Beispiel Francis Aidoo. Der 20-Jährige leitet den Jugendclub – und engagiert sich mit Haut und Haaren für die Filmprojekte – kein Wunder: Hier ist er drauf gekommen, dass er „mal was in Richtung Kunstfilm“ machen will. Für Marian Baiden-Annan, Schulleiterin an der Junior Highschool ist AIM ein großer Gewinn: „Grundsätzlich ist das ein Glücksfall für uns alle, aber speziell die Computerangebote ergänzen die mageren Möglichkeiten der Schule enorm.“
Bescheiden sei das Projektangebot von AIM, sagt der Dorfälteste, und die Ergebnisse seien solch eine spürbare Verbesserung für die Jugendlichen, dass man jederzeit bereit sei alles zu unterstützen, was AIM vorschlage. Jörn Preuss ist länger als alle anderen in Komenda – und bei bescheidensten Bezügen Projektleiter von AIM vor Ort. Er freut sich mit den Dutzenden von Aktiven und den fünf Freiwilligen aus Deutschland vor allem über die aktuell vollbrachte Etappe: Die Eröffnung des Cyber-Cafés versetzt alle in Begeisterung. So auch Lilly Lovelace Kudjoe. Die 22-Jährige nutzt ihre Chance auf Lernen und auf Mitbestimmung. Ganz im Sinne auch von Gernot Erler, Bundestagsabgeordneter aus Freiburg und Schirmherr von AIM: „Ich unterstütze AIM, weil die Idee, Jugendlichen im ländlichen Ghana Zugang zu Computern zu verschaffen und somit Zukunftsperspektiven zu eröffnen sehr konkret und sehr gut ist.“
veröffentlicht am 16. Dezember 2009 in der Badischen Zeitung.