Tamale

Tamale, 9.12.09: Hoffnung für Tamale

 © Dr. Abbas Adam © Foto: Julia LittmannAusgestattet mit einigen kostbaren State-of-the-Art-Geräten, hat kürzlich Dr. Abbas Adam im Tamale Teaching Hospital seinen Dienst aufgenommen. Der im russischen Minsk und in Freiburg in Deutschland herausragend ausgebildete Neurochirurg kam in seine Heimatstadt Tamale zurück.

Der im russischen Minsk und in Freiburg in Deutschland herausragend ausgebildete Neurochirurg kam – dank der Unterstützung von Firmen und dank der Unterstützung durch die Universitätsklinik Freiburg – mit medizinischem Equipment im Wert von etwa 800 000 Ghana Cedi in seine Heimatstadt Tamale zurück. Nun muss er auf eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Regierungsbehörden setzen, die bis zum Einsatz von Hängemikroskop (ceiling microscope) und Navigationsgerät nun ihrerseits etwa 400 000 Ghana Cedi für CT-Scanner und Kernspin investieren müssen, um die neue neurochirurgische Abteilung insgesamt funktionstüchtig zu machen.

Im Angesicht der sehr zu recht in regelmäßigen Abständen gebetsmühlenartig wiederholten Klagen über die außerordentlich magere Gesundheitsversorgung in der Northern Region, wird die Rückkehr von Dr. Abbas Adam nach Tamale vor allem hier als besonders glücklich empfunden. Während nämlich in den Medien die Rede davon ist, dass Ärzte zur Ausübung ihres Berufes nur ungern in den Norden gehen, die Berufung an Krankenhäuser in der Northern Region sogar in einigen Fällen offenbar als eine Art „Strafe“ empfinden, war für Abbas Adam immer klar, dass er eines Tages in seine Heimatstadt Tamale zurückkehren würde. Hier nämlich hat er eine Lücke in der medizinischen Versorgung als besonders leidvoll wahrgenommen, die er nun hofft, schließen zu können. Insbesondere schwere Kopfverletzungen, beispielsweise im Zusammenhang mit Unfällen, die Blutungen im Kopf nach sich ziehen, sind in Tamale bis heute nicht operabel. „Ich sehe hier jede Woche Menschen sterben, denen ich helfen könnte, wenn wir sie schnell und effektiv operieren könnten“, sagt Dr. Abbas Adam.

Die hochmoderne Abteilung, die seit wenigen Monaten Stück für Stück kompletter wird, wird einen schier unvorstellbaren Fortschritt für die Qualität der ärztlichen Versorgung der gesamten Region bedeuten: Schwere Kopfverletzungen und Rückenleiden sollen hier in Zukunft nämlich dank modernster Technik nicht nur operabel sein: Sie können dank Dr. Abbas Knowhow und dank der mitgebrachten Geräte bald schon minimal-invasiv durchgeführt werden. Mit Dr. Abbas ist nicht nur ausgefuchste Technik in den nagelneu eingerichteten Neurochirurgie-OP gewandert. Vielmehr erlaubt ihm die Facharztausbildung an der Universität in Freiburg, dank dieser Technik plus dem speziell studierten „handwerklichen“ Können, millimetergenau mit kleinsten Schnitten die betroffenen Partien behandeln zu können. Das heißt: die Operationen sind zwar technisch aufwändiger, jedoch weit weniger belastend für die Patienten.

Eine neurochirurgische Abteilung mit der Option auf minimal-invasive Behandlung wäre nicht nur für Tamale eine ebenso unerwartete wie willkommene Neuerung: für ganz Ghana ist diese Methode neu – und tatsächlich findet sie auch in Deutschland bei weitem nicht in jedem großen Krankenhaus Anwendung. Einstweilen jedoch ist Dr. Abbas Adam noch nicht ganz am Ziel: Ohne CT-Scan und Kernspin macht die ganze teure Geräte-Einheit wenig Sinn. Stadtrat (municipal assembly) und Gesundheitsministerium seien zumindest höchst interessiert, berichtet Dr. Abass, sogar die Finanzierung für die Zusatzgeräte schien längst geklärt. Derzeit jedoch sind es vor allem die Ausbauarbeiten für den OP und die Station, die Dr. Abbas und sein Team hoffen lassen. „Es geht vorwärts“, erklärt der 44-jährige Neurochirurg, „und wir nähern unserem Ziel stetig.“ Für Kranke und Verletzte, die dringend am Kopf operiert werden müssen, wäre das in vielen Fällen lebensrettend.

Julia Littmann
veröffentlicht am 9. Dezember 2009 im Daily Graphic.