Freiburg, 16.1.10: Begegnung mit einem erfahrenen Journalisten
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Mit einem breiten Lächeln im Gesicht empfing er uns freundlich in der einfachen Wohnung seiner Frau: „Zakaria, na wow! Oga, make you com in”. „Der spricht ja Pidgin! Wo hat dieser weiße Mann wohl seine Sprachkenntnisse her …", murmelte ich zu mir selbst. Später erfuhr ich, dass unser Gastgeber mehrere Jahre lang in Nigeria gelebt hatte.
Gerd Meuer ist pensionierter deutscher Journalist und weiß der Welt spannende Geschichten zu erzählen. Fast 50 Jahre lang reiste der erfahrene Mann durch die Welt, berichtete aus den verschiedenen Kontinenten und brachte durch das mächtige Auge der Fernsehkamera und das geschriebene Wort Geschichten über das Elend und die Schwierigkeiten der Menschen, aber auch Erfolgsgeschichten ans Licht.
Als ich ihn fragte, wie viele Länder Afrikas er bereist habe, sagte er einfach: „Ach, wissen Sie, Zakaria, 48 der 53 Länder…“. Was mir während unseres Gesprächs immer wieder auffiel, war sein erstaunliches Gedächtnis. Trotz seines Alters erinnerte er sich mühelos an die Namen der Länder, Städte, Dörfer, Weiler und Hütten, die er besucht hatte – beeindruckend. Als ich ihm zum Beispiel erzählte, dass ich aus Ghana komme, nannte er Ortsnamen und Leute einschließlich deren Geschichte, als hätte er mehrere Jahre im Land gelebt. Er erzählte auch von Tamale, meiner Heimatstadt in Ghana, und wo er dort im Einzelnen gewesen war. Meuer ist nicht nur Afrikakenner, sondern hat auch in den meisten Ländern Europas, der USA, Asiens, Lateinamerikas und des Pazifikraums gearbeitet.
Neben seiner Muttersprache Deutsch spricht und versteht Meuer viele Sprachen, darunter Spanisch, Englisch, Niederländisch, Französisch, Pidgin, peteit-nègre und wer weiß noch was. Der kräftige, große Mann ist in Afrika kein Fremder. In den 1960ern studierte er an der Universität Ibadan in Nigeria. Außerdem ist er langjähriger Wegbegleiter des namhaften afrikanischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Professor Wole Soyinka. Die beiden verbindet bis heute eine enge Freundschaft. Der altgediente Journalist arbeitete unter anderem für die ARD und für den schweizerischen, österreichischen und französischen Hörfunk. Außerdem war er für die BBC, den irischen Hörfunk und Radio Pacific in den USA tätig. Er war freier Mitarbeiter mehrerer Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Zeitschriften, darunter in Deutschland, der Schweiz und Österreich.
Meuer gilt auch als ausgezeichneter Übersetzer, der viele literarische Werke aus mehreren Sprachen, etwa dem Französischen, Englischen und Niederländischen ins Deutsche übersetzt hat. Zudem moderierte und vermittelte er in vielen Ländern Workshops. Geboren wurde er 1941 im Rheinland. Er studierte zunächst Anglistik und Romanistik, dann Politologie und Soziologie an den Universitäten von Bonn, Berlin und Aachen, Caen in Frankreich sowie Ibadan in Nigeria. Angesichts der Situation der Medien in Afrika zeigte Meuer sich besorgt über die Entwicklung des Journalismus in einigen Ländern des Kontinents: “Bei einigen Artikeln, die ich heutzutage in den Zeitungen lese, fehlt die analytische Tiefe. Die meisten der ausgezeichneten Journalisten, die früher beispielsweise für die nigerianischen Zeitungen gearbeitet haben, sind alle weg; es ist schon schade.“
Als es nach einem reichhaltigen Mahl ans Verabschieden ging, schenkte er mir ein kostbares Buch. Es trägt den Titel „Journeys around and with Kongi – half a Century on the road with Wole Soyinka”. Der Verfasser des Buches heißt Gerd Meuer.
veröffentlicht am 16. Januar 2010 im Daily Graphic.