Freiburg, 18.12.09: Erlebnis-Potpourri
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Was mir auffällt, wenn ich als Gastjournalist durch die Straßen von Freiburg laufe, ist die Tatsache, dass man keine Autofahrer hupen hört. Ihre Fahrzeuge sind alle „stumm“. Die einzige Sirene, die ich manchmal höre, ist die der Polizei. Die Wege der vielen Autos, Straßenbahnen, Züge und Radfahrer scheinen sich automatisch gesteuert zu kreuzen, jeder hält sich an seine Grenzen. Während meines dreiwöchigen Aufenthalts in der Stadt habe ich noch keinen Unfall gesehen. Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr gibt es nicht.
Überall sind Fahrräder zu sehen. Im Grunde kann jeder, egal welchen Alters oder welchen Geschlechts, Fahrrad fahren. Die Fahrradwege sind so gut ausgelegt, dass es nicht zu Behinderungen durch Fahrzeuge oder Fußgänger kommt. In der Stadt nutzen die meisten Leute auch die Straßenbahnen. Diese sind immer pünktlich und schnell. Autofahrer nehmen Fußgängern nicht die Vorfahrt. Ich habe mehrmals gesehen, dass Autos anhielten, um Fußgänger vorzulassen.
Die Kanalisation in der Stadt ist abgeschottet, mit Ausnahme der bemerkenswerten offenen Wasserläufe, die eine Touristenattraktion sind. Mülleimer sind an günstigen Stellen platziert, wo man seinen Abfall einfach entsorgen kann, ohne sich den Rücken zu brechen. So werden die Straßen und die Umwelt immer sauber gehalten. Neben den WCs, mit denen jede Wohnung und jedes Büro ausgestattet ist, gibt es in der Stadt keinen Mangel an sauberen öffentlichen Toiletten.
Der Freiburger Bürgermeister Dr. Dieter Salomon hat eine Webseite, auf der sowohl die Bürger der Stadt als auch Auswärtige dessen Leistung beurteilen können. Wow!
Die Freiburger gehen für ihr Leben gern einkaufen. Es gibt eine Vielzahl von Einkaufszentren, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Auch die zahlreichen Lokale werden stark frequentiert, denn Kaffeetrinken ist ein wichtiger Teil des Tagesablaufs. Haben Sie schon einmal einen Cappuccino probiert?
Außerdem zeigen Verliebte ihre Gefühle in der Öffentlichkeit. Draußen, in den Straßenbahnen, Bussen und Geschäften sehe ich täglich Menschen, die sich inbrünstig küssen. Ich hab einfach amüsiert hingeschaut.
Auch sieht man viele Frauen. Sie sind schlank und unterschiedlich groß, und alle tragen enge Jeans verschiedener Hersteller und Macharten. Jung, unschuldig und bezaubernd. Das Faszinierende ist, dass die meisten jungen Frauen im Studium sind. Über 10 % der 200.000 Einwohner sind Studenten. Ich habe auch erfahren, dass die meisten Frauen in Freiburg erst in ihren 30ern heiraten, da sie im Teenageralter und in ihren 20ern noch in der Ausbildung sind und Abschlüsse machen, um sich zu bilden und für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.
Freiburg ist hauptsächlich christlich geprägt, es gibt dort viele mittelalterliche Kirchengebäude. Ungefähr 95 % der Bevölkerung sollen Christen sein, am Wochenende gehen aber nur sehr wenige zum Gottesdienst. Die Christen und die in der Minderheit lebenden Muslime leben friedlich miteinander. Die Muslime sind größtenteils arabischer Herkunft.
Während meiner Runden habe ich häufig verarmte Menschen gesehen, die schweigend in dunklen Ecken saßen. Die täglichen Belastungen des Lebens fordern auch ihre Opfer. Es gibt Psychotherapeuten, die sich um einige von ihnen kümmern. Die am härtesten Betroffenen kann man unter den Brücken und Bäumen sitzen sehen, bisweilen Selbstgespräche führend.
Die Kriminalität ist sehr gering. Tag und Nacht sind Polizisten und Polizistinnen in schicker Kluft in der Stadt auf Streife. Auch in den Gemeinden sind sie präsent, mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht.
Die Zahl der Schwarzen fällt in Freiburg nicht ins Gewicht, da in der Gegend nicht viel Industrie angesiedelt ist. Im Grunde ist es eine Akademikerstadt. Die wenigen Schwarzen, die man trifft, sind entweder Studenten oder haben eine Anstellung. Es tut mir leid, es ist schon fast 18 Uhr und ich muss in meine bescheidene Unterkunft im Boardinghouse, um der beißenden Kälte zu entkommen. Meine Hände und Füße sind schon taub. Oh, diese schlimme Kälte. In einer Woche bin ich wieder zu Hause!
veröffentlicht am 18. Dezember 2009 im Daily Graphic.