Freiburg, 18.12.09: Stadionatmosphäre in Freiburg

Die Atmosphäre war elektrisierend, die Zuschauer außer Rand und Band, aber das Spiel selbst eher langweilig. Kein Wunder, dass es mit einem müden Unentschieden endete.
Als ich am Wochenende mit einem Kollegen im Badenova-Stadion war, um ein eigentlich spannendes Erstligaspiel zwischen der Heimmannschaft, dem SC Freiburg, und dem 1. FC Köln zu sehen, waren es am Ende die begeisterten Fans der beiden ideenlosen Teams, die für Unterhaltung sorgten.
Sie waren zu Tausenden gekommen und standen trommelnd, anfeuernd, aufspringend und fahnenschwenkend in der Kälte, um ihre Teams zu dem Sieg anzuspornen, zu dem es nicht kam. Als die Spieler den Rasen betraten, erstrahlte das Stadion im Lichterglanz. Jubelnd riefen die Fans die Namen ihrer Idole aus, die aus den Lautsprechern dröhnten.
Als sich das glanzlose Spiel dem Ende zuneigte, kam es zum Duell der Sprechchöre zwischen dem heimischen Freiburger Publikum und der kleinen Anhängerschar des Gastvereins. Erwartungsgemäß gingen die heimischen Fans daraus als Sieger hervor.
Der Rummel rund um das Spiel begann am Freitagabend, als die Fans der Gastmannschaft in Freiburg ankamen. Am Samstagmorgen sah man praktisch nur noch in rot und weiß gekleidete Leute, da beide Seiten zufälligerweise die gleichen Vereinsfarben haben. Autos und Straßenbahnen waren voll besetzt mit jungen und alten Fans, Männern wie Frauen, alle auf dem Weg zum Stadion. Zum Anpfiff um 15:30 Uhr Ortszeit war das Stadion, das 25.000 Zuschauer fasst, dann gefüllt. Ein echtes Kontrastprogramm. Die Erstligaspiele von Real Tamale United (RTU), dem Verein meiner Heimatstadt Tamale (Ghana), ziehen nicht so viele Zuschauer an. Nur ein paar Fans kommen zu den Spielen in das schicke, 21.000 Zuschauer fassende Stadion. Sie bleiben lieber zu Hause und schauen gegen eine geringe Gebühr die Spiele der englischen Premier League, die in Ghana seit den Erfolgen einiger ghanaischer Stars wie Michael Essien sehr populär sind. Den heimischen Spielen mangelt es ihrer Ansicht nach an Qualität.
Das Spiel Freiburg gegen Köln hat meine Erwartungen zwar auch nicht erfüllt, aber es hat mich beeindruckt, mit welcher Begeisterung die Anhänger zu ihren Vereinen standen. Dabei enttäuschten vor allem die Spieler des heimischen Teams, die die ganze Zeit so ungeschickt um den Ball herumtänzelten, als ob sie noch nie ins Netz getroffen hätten. Kann das sein?
Letztlich haben die stimmgewaltigen Fans meinen Tag gerettet. Und so sagte ich mir, als ich bei eisigen Temperaturen von ungefähr zwei Grad über Normal Null mit tauben Füßen aus dem Stadion ging: “Was für ein Spiel!”
veröffentlicht am 18. Dezember 2009 im Daily Graphic.