Freiburg, 12.12.09: Fahrradfahren der Umwelt zuliebe

Man sieht Alte und Junge, Männer und Frauen, die die sanften Steigungen hochstrampeln oder sich durch die Straßen und Gassen schlängen, stets mit den charakteristischen Taschen auf dem Rücken.
Genau wie in meiner Heimatstadt Tamale, der Hauptstadt der Nordregion Ghanas, sind Fahrräder hier das wichtigste Verkehrsmittel. Dahinter steckt bei uns aber kein Umweltgedanke, sondern eine schlichte Notwendigkeit, weil sich die meisten Menschen kein Auto leisten können.
Daher fasziniert es mich, dass die meisten Menschen in Freiburg, obwohl sie sich ein Auto leisten können, der Umwelt zuliebe trotzdem mit dem Fahrrad fahren. Tatsache ist, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie so viele Fahrräder in einer Stadt gesehen habe. Freiburg hat mehr als 200.000 Einwohner. Davon nutzen mehr als ein Drittel ihr Fahrrad als Fortbewegungsmittel, folglich gibt es mehr Fahrräder als Autos in der Stadt. Weitere Verkehrsmittel sind Straßenbahnen, Busse und Züge.
Vor dem Hauptbahnhof und anderswo gibt es Abstellplätze, auf denen die Fahrräder allesamt aufgereiht stehen und von ihren Besitzern abgeschlossen werden, während diese zur Arbeit oder zum Studium gehen. Auf die Frage, warum die Fahrräder abgeschlossen werden, erklärte mir eine Studentin, die ihren Namen nur mit Alina angab: „Weil sie gestohlen werden, wenn sie nicht abgeschlossen sind; es ist schon vielen Leuten das Fahrrad geklaut worden.”
Ein weiteres markantes Merkmal dieser historischen Stadt sind die Wasserkanäle. Der Legende nach muss ein Besucher der Stadt, der versehentlich in das Wasser tritt, eine Frau aus Freiburg heiraten. Ganz ohne Frage ist es ein schöner Anblick, wenn man sieht, wie das klare Wasser durch die kleinen Binnenkanäle läuft, die in das kunstvoll gestaltete Marmorpflaster eingelassen sind.
Und hoch über den Dächern der architektonischen Meisterwerke in der historischen Altstadt ragt das Freiburger Münster. Meine Kollegin Julia Littman hat mir erzählt, dass es sich bei den meisten der angrenzenden Gebäude um Nachbauten von Häusern handelt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Es ist unglaublich, dass die 116 Meter hohe Kathedrale nicht von den Bomben getroffen wurde und ihren bemerkenswerten mittelalterlichen Charakter bewahren konnte.
Freiburg, das an die Schweiz und Frankreich angrenzt, bietet auch viele touristische Sehenswürdigkeiten, darunter Museen, Theater und historische Denkmäler, die sich über die Stadt verteilen. Mit fünf öffentlichen Hochschulen ist Freiburg zudem eine akademische Hochburg. Überall kreuzen sich die Wege der 40.000 Studenten, die in hautengen Jeanshosen auf dem Weg zu ihren Schulen und Fakultäten sind.
Was einem natürlich nicht entgehen kann, ist die Herzlichkeit der Menschen, die einem meist ein breites Lächeln schenken und höflich „Hallo” sagen. Meine Schwierigkeit liegt darin, dass ich mich auf Deutsch nicht verständigen kann, da nur wenige derjenigen, denen ich begegne, Englisch sprechen. Bisher kann ich also nur sagen: „Chao! Chaoo!!!” - tschüss, bis dann!
veröffentlicht am 12. Dezember 2009 im Daily Graphic.