Frankfurt

Frankfurt, 24.12.09: Meine weiße Weihnacht

 © © www.colourbox.comNach einem Monat zieht der vom Goethe-Institut zur FR eingeladene Gast aus Kenia ein besinnliches Fazit.

Weihnachten ist für mich in diesem Jahr früh gekommen. Während meines Aufenthalts in Frankfurt war praktisch jeden Tag Weihnachten, denn jeden Tag habe ich etwas Weihnachtliches erlebt. Es gab Weihnachtsessen – Schmalzbrot, Rinderroulade mit Wirsing und Kartoffelpüree – und Spezialitäten wie Christstollen. Welches Haus ich auch betrat, überall war Weihnachtsdekoration zu sehen. Wenn ich in diesem Jahr „Joy to the World“ singe, wird es eine ganz andere Bedeutung für mich haben.

Ich sehe Weihnachten jetzt nicht mehr als kommerzielles Ereignis und habe zum ersten Mal verstanden, was hinter den Traditionen und Bräuchen steht, die zum Teil über das Religiöse hinausgehen, aber den Menschen in Frankfurt viel bedeuten. Ich habe Weihnachtslieder gehört und den Schmuck, die Kerzen und alles, was dazugehört, gesehen. Mit einem Wort ausgedrückt: wundervoll. Und dann fiel der Schnee.

Was ich inzwischen als die Geschichte meiner „weißen Weihnacht“ bezeichne, begann am 25. November mit der Eröffnung des Weihnachtsmarkts auf dem Römerberg und fand auf den verschneiten Höhen des Taunus seinen Abschluss. Dort erlebte ich meine „weiße Weihnacht“ auf 878 Metern über dem Meeresspiegel. Da ich aus Kenia komme, wo praktisch jeden Tag Sommer ist, war das für mich ein ganz neues Erlebnis. Ich hatte noch nie Schnee gesehen, außer im Fernsehen. Und hier lief ich auf Schnee, ging auf verschlungenen Wegen durch den Wald, aus dem die „Weihnachtsbäume“ kommen. Dabei schien zu allem Glück die Sonne und brachte den Schnee auf den Bäumen zum Glitzern. Es war ein unglaublicher Anblick.

Meine FR-Kollegen Lia Venn und Thomas Stillbauer führten mich durch den Wald,wo sie schon sehr häufig waren. Lia kennt sich dort aus wie in ihrer Westentasche. Eine Wanderung durch den Wald – das ist mir als Freizeitbeschäftigung noch nie in den Sinn gekommen. Wälder dieser Größenordnung sind in meinem Land kein sicherer Ort. Es gibt dort gefährliche Tiere. Aber dieser hier ist eine Art Zufluchtsort, den man aufsuchen kann, wenn man in die Stille gehen möchte. Friedlich – das Wort trifft es. Oben auf dem Berg herrschte bereits Festtagsstimmung. Eltern rutschten mit ihren Kindern auf Holzgefährten über den Schnee, ältere Leute machten einen Vormittagsspaziergang und Jung wie Alt genossen die Aussicht.

Später besuchten wir noch den Hessenpark, wo mehrere Jahrhunderte hessischen Kulturgutes bewahrt werden. Das war gut – aber nichts geht über das Erlebnis oben in den Bergen.

Munyao Mutinda
veröffentlicht am 24. Dezember 2009 in der Frankfurter Rundschau.