Berlin

Berlin, 2.2.10: Die andere Stadt

 © © www.colourbox.comFlexible Arbeitszeiten und Sondereinheiten. Wie und wo die Müllabfuhr funktioniert. Der Fall Berlin: Müllmänner mit Hausschlüsseln

Keine Müllcontainer auf der Straße, keine Müllberge, die Straßen und Denkmäler verschandeln. In Berlin, der Bundeshauptstadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern, wird der Müll getrennt. Die Berliner Stadtreinigung (BSR), eine staatliche Einrichtung, die wie die AMIA in Palermo den Abfall entsorgt, holt 900 Millonen Tonnen Müll pro Jahr ab, die sämtlich recyclt werden. Mit 500 Tonnen Abfall produziert die Müllverbrennungsanlage in Spandau Dampf zur Stromherstellung und für Fernheizungen, der Rest wird kompostiert.

Wie funktioniert das Berliner System? Müllcontainer gibt es ausschließlich in gemeinschaftlich genutzten Räumlichkeiten der einzelnen Gebäude, aber nicht im Hauseingang, sondern im Innenhof oder im Keller. Je nach Bedarf wird eine bestimmte Anzahl Container gemietet. Die Besitzer der Wohnungen und Büros entscheiden darüber, ob die Container nur ein oder gar zwei Mal pro Woche geleert werden. Normalerweise gibt es einen braunen Container als Biotonne, einen grauen für Restmüll, einen grünen für Glas, einen gelben für Plastik und einen blauen für Papier. Die Berliner Stadtreinigung kümmert sich um Biotonne und Restmüll. Für die Entsorgung von Glas, Plastik und Papier fndet alle drei Jahre eine Ausschreibung statt. Um den Auftrag konkurrieren private Unternehmen mit der Berliner Stadtreinigung, die die Ausschreibung für die kommenden drei Jahre gewonnen hat.

Die 1.200 Berliner Müllmänner verfügen anders als in Italien über die Hausschlüssel der einzelnen Gebäude. Am Mülltag öffnen sie damit in Gruppen nach einzelnen Stadtvierteln unterteilt die Haustüren, leeren die Container und stellen sie wieder an ihren Platz. Dafür zahlt jeder Haushalt durchschnittlich 200 Euro im Jahr, die Höhe des Betrags variiert je nach der Zahl der Container und der Häufigkeit der Leerungen.

Mit 5.000 Angestellten und einem Umsatz von 476 Millionen Euro kümmert sich die Berliner Stadtreinigung auch um die 20.000 öffentlichen Mülleimer und die Straßenreinigung. Der Wagenpark besteht aus 2.200 Fahrzeugen, darunter 1.750 Müllautos und 450 Spezialfahrzeuge, z.B. Schneepflüge.

Die Bilanzen des Unternehmens, das keinen Gewinn aus der Müllentsorgung schöpft, werden anders als in Palermo jedes Jahr von einem Komitee aus Vertretern der Arbeitnehmer und vom Bürgermeister bestimmten Persönlichkeiten wie dem Finanzsenator kontrolliert. Die Berliner sind damit zufrieden. Worin besteht das Geheimnis einer funktionerenden Müllabfuhr? „Gute Arbeitsorganisation“, sagt BSR-Sprecher Thomas Klöckner,. „Transparenz bei der Finanzverwaltung, aber vor allem Teilhabe der Bürger, die mit einbezogen und verantwortlich gemacht werden müssen.“

Sara Scarafia
veröffentlicht am 2. Februar 2010 in La Repubblica Palermo.