Ljubljana, 13.3.2013: Wutbürger als Zombies verkleidet

Tagebuch Ljubljana (3): Die Wut auf die Regierung treibt in Sloweniens Hauptstadt weiterhin Menschen auf die Straße, allerdings sind es deutlich weniger geworden. Am Samstag zogen rund 5.000 Demonstranten durch Ljubljanas Innenstadt und beklebten sich und die Stadt mit Aufklebern, auf denen zu lesen war: Nasa last – mein Eigentum.
Bei der Privatisierung von früheren Staatsbetrieben ist wohl einiges schief gelaufen. Breite Schichten der Bevölkerung fühlen sich übers Ohr gehauen. So marschierten am Samstag Ehepaare und Rentner einträchtig neben jungen Autonomen. Letztere wollen eine wie auch immer geartete „revolutionäre Veränderung“. Krawall ist deshalb aber nicht angesagt. Die Demo hat ein bisschen Performance-Charakter, viele haben sich als Zombies verkleidet und machen sich damit über den zurückgetretenen Regierungschef Janez Jansa lustig, der die Demonstranten mal als Zombies bezeichnet hatte. Für meine Kollegen der slowenischen Tageszeitung Dnenik ist es seit November die x-te Demonstration. Sie haben sich schon in den verschiedensten Formen damit beschäftigt. Deshalb kommt es ihnen gelegen, mal durch die Gastreporterin aus Deutschland einen Blick von außen darauf werfen zu lassen. Ich bin also als Chronistin unterwegs. Eine Herausforderung angesichts der nicht vorhandenen Sprachkenntnisse und des Dauerregens. Gut, dass die Autonomen es auf Englisch auf den Punkt bringen. I don’t need sex, my government fucks me everyday steht auf ihren Transparenten. Das kann man sich auch ohne Block und Bleistift merken.
Veröffentlicht am 13. März 2013 in der „Rheinpfalz“