Ljubljana

Ljubljana, 6.3.2013: Ein Trinkspruch in der Nationalhymne

Dem Nationaldichter France Preseren (1800 - 1849) ist ein Denkmal auf einem der zentralen Plätze Ljubljanas gewidmet (Foto: Kathrin Keller-Guglielmi) © Kathrin Keller-Guglielmi
Dem Nationaldichter France Preseren (1800 - 1849) ist ein Denkmal auf einem der zentralen Plätze Ljubljanas gewidmet (Foto: Kathrin Keller-Guglielmi)

Tagebuch Ljubljana (1): Der Journalistenaustausch Nahaufnahme führt die pfälzische Journalistin Kathrin Keller-Guglielmi drei Wochen lang nach Slowenien. Für die Rheinpfalz hält sie ihre Eindrücke fest – und schreibt aus einem Land, das lange Zeit als „Schweiz des Balkans“ galt, und dessen Bevölkerung gern prostet.

Hauptstadt Ljubljana. „Das ist eigentlich fast wie Neustadt“, sagt Marjeta, meine Partnerin bei diesem Journalisten-Austausch, als sie mich durch die Innenstadt führt. Nun, die Stadt hat schon ein paar Einwohner mehr. Rund 280.000 sind es, aber das Zentrum ist in der Tat sehr überschaubar. Spötter behaupten, nur Slowenien sei noch kleiner. Dass das Land so klein ist, ist einer der Gründe dafür, warum es in der Vergangenheit häufig als „Schweiz des Balkans“ bezeichnet wurde. Der Hauptgrund ist natürlich, dass den Slowenen genau wie den Schweizern ihre Unabhängigkeit sehr wichtig ist. Außerdem gelten sie als fleißig, strebsam und ordentlich. Als „Musterschüler“. Das Image hatten sie jedenfalls, solange sie ein ordentliches Wirtschaftswachstum vorweisen konnten. Inzwischen hat das Bild ja Kratzer bekommen. Korruptionsvorwürfe, Wirtschaftskrise, jetzt die Regierungskrise. Das passt nichtmehr so zum Strebertum. Aber mal von den Kratzern abgesehen. „Schweiz des Balkans“ trifft es ohnehin nur zum Teil. Wenn schon Vergleiche mit anderen, dann muss die Pfalz unbedingt dazu. Denn die Slowenen sind das wohl einzige Volk auf der Welt, das ein Trinklied zur Nationalhymne erhoben hat. „Trinkt ihr Brüder“, heißt es im Text ihres Dichters France Preseren. Na denn, Prost, France! Auf den rizling!

Von Kathrin Keller-Guglielmi
Veröffentlicht am 6. März 2013 in der „Rheinpfalz“
Links zum Thema