Ljubljana

Neustadt, 9.2.2013: Pfälzische Sichtweisen – slowenische Eindrücke

 © Kathrin Keller-Guglielmi/Marjeta Kralj
Marjeta Kralj und Kathrin Keller-Guglielmi in der Redaktion der „Rheinpfalz“ (Foto: Privat)

Wie sicher lebt es sich in Deutschland? Die pfälzische Redakteurin Kathrin Keller-Guglielmi und ihre slowenische Austauschpartnerin Marjeta Kralj geben jeweils eine Antwort – jede aus ihrer Perspektive.

Pfälzische Sichtweisen

Global betrachtet, kann man uns Deutschen bestimmt nicht vorwerfen, dass wir Sicherheitsaspekte zu gering einschätzen. „Sicherheitsdenken“ – in welcher Sprache kann man so etwas schon verbalisieren? Und dann passiert es doch: Ein 30 Meter hoher Baum kracht auf die Straße und zertrümmert ein Auto. Glücklicherweise ist bei dem Vorfall am Mittwoch niemand zu Schaden gekommen. Dennoch taucht sofort die Frage auf: Ist da was versäumt worden? Glücklicherweise hat es in puncto Sicherheit diese Woche auch andere Nachrichten gegeben. Der Spielplatz bei der Festwiese wird aus Sicherheitsgründen gegen Hochwasser geschützt. Die Pappeln in Duttweiler werden aus Sicherheitsgründen geschnitten. Die Stadt überprüft jedes Jahr alle 7500 Bäume, die am Straßenrand stehen, auf ihre Verkehrssicherheit. Es wird also schon einiges dafür getan, damit die Bürger in dieser Stadt stets auf der sicheren Seite stehen.

Slowenische Eindrücke

Das Sicherheitsdenken ist schon ein Stereotyp, dass bei uns in Slowenien über Deutsche herrscht. Alles sicherheitsgemäß, ordnungsgemäß, diszipliniert. Die Deutschen gehen die Dinge unserer Meinung nach ohne Scherz und ohne Leichtfertigkeit an. In meiner ersten Woche hier in Neustadt habe ich das in der Tat auch so erlebt. Ich habe zwar, offen gesagt, bisher nur die Altstadt gesehen, aber schon hier ist diese Ernsthaftigkeit auf Schritt und Tritt zu sehen. (Fast) nirgends bröckelt der Putz, weit und breit kein „entwurzelter“ Granitblock. Alle Baustellen sind schön abgesichert, es gibt keine dunklen Straßen, keine Menschen, die verdächtig wirken. Die Altstadt sieht aus wie aus einem Märchen der Brüder Grimm, wären da nicht diese gemeinen Viecher. Na ja, auf den ersten Blick scheint mir die größte Gefahr von der bösen Elwedritsche auszugehen, die von dem Brunnen aus auf die Leute spuckt, wenn sie ihr zu nahe kommen.

Tierische Konflikte

An mindestens einer Stelle hat es diese Woche aber doch ein deutliches Sicherheitsdefizit gegeben. An der Ecke Wolfsburgstraße/Würzmühle, am Donnerstagmorgen gegen 5 Uhr morgens. Während die meisten Neustadter wohl noch sicher und geborgen in ihren Betten lagen, wurde an dieser Stelle ein armes (Wild-)Schwein Opfer eines offensichtlich unmotivierten Angriffs. Ein Hund ging auf eine Sau los, wir berichteten darüber. Was wir nicht berichteten: Der Hundehalter, den die Polizei „noch nicht ausfindig“ machen konnte, ist den Beamten namentlich bekannt. Sie haben den Namen von einem Anwohner bekommen, der ihn kennt. Ganz unbekannt ist er in der Ecke offensichtlich auch bei anderen nicht, ist sein Hund doch scheinbar nicht zum ersten Mal an dieser Stelle mit irgendwelchen Waldbewohnern in Konflikt geraten. Eine Leine würde helfen, finden wir.
Veröffentlicht am 9. Februar 2013 in der „Rheinpfalz“
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