Bonn

Bonn, 19.12.2012: Der Kunst-Feminist

 © Vytenė Stašaitytė
Hätten mehr Frauen das Sagen, würden Zustände wie die Finanzkrise gar nicht erst eintreten, sagt Frauenliebhaber Friedrich (Foto: Vytenė Stašaitytė)

Der Kölner Künstler Wolfgang Klaus Maria Friedrich kämpft für die Rechte der Frauen – vor allem in der Kunst. So darf er auch als einziger Mann im Bonner Frauenmuseum ausstellen.

Im Bonner Frauenmuseum läuft die Ausstellung „Schwarze Schokolade“. Die Hauptrolle spielt die gleichnamige Berliner Künstlerinnengruppe. Die hat vor gut 30 Jahren in Berlin-Kreuzberg eine heruntergekommene Schokoladenfabrik besetzt und ein alternatives Kunst- und Kulturzentrum daraus gemacht. Die Bonner Ausstellung widmet sich der Frauenbewegung in der Kunst.

Neben all den Installationen und Objekten, die von Frauen geschaffen wurden, hat sich dennoch ein Platz für die Werke eines einzigen Mannes gefunden. Im Erdgeschoss, am Eingang, hängen vier mit Schokolade überarbeitete Fotosiebdruck-Bilder des Kölner Künstlers Wolfgang Klaus Maria Friedrich, der sich selbst das Kürzel WKMF als Künstlername zugelegt hat. Jeder dieser vier Siebdrucke beschäftigt sich mit Frauenthemen und hat eine politische Botschaft. Vor der Wand eine Installation: Schokoladen-Brunnen, aus denen zartbittere „Herrenschokolade“ (so wird bittere Schokolade genannt, Anm. d. Red.) sprudelt, dazu werden Plätzchen in Penisform serviert.

„In aller Munde“ heißt diese Schoko-Installation. Die Botschaft, die dahintersteckt: der Kampf gegen Kinderschänder. Das Thema der Installation ist kein Zufall – „Zartbitter“ nennt sich die Kölner Informationsstelle gegen Kindesmissbrauch. „Das Problem wird oft weggeschoben, wenn man die Pädophilen einfach ins Flugzeug nach Thailand steigen lässt. Damit die anderen diese Probleme haben und nicht wir“, empört sich der Künstler.

Mit dieser Schoko-Installation wolle WKMF zum Nachdenken anregen, „weil die Leute das Thema nicht angehen. Und Männer erst recht nicht. Deswegen bin ich sehr gerne hier im Frauenmuseum und fühle mich hier richtig wohl.“

Von anderen Männern angefeindet

Natürlich wird Friedrich von anderen Männern, gerade in der Kunstszene, argwöhnisch beäugt. „Ich bin von meinen Künstlerkollegen angefeindet worden, weil ich in ihren Augen die Position einer Frau angenommen habe", erzählt er im Interview mit der Deutschen Welle. „Aber ich bin wirklich ein Mann und mache das aus Überzeugung. Wenn ich sehe, welche Ungleichheiten herrschen, dann muss ich dagegen angehen. Das ist meine Hauptaufgabe als Künstler. Man muss sich immer wieder wehren. Das mache ich mit großer Freude jeden Tag.“

WKMF ist davon überzeugt, dass, wenn mehr Frauen auf der Welt das Sagen hätten, Zustände wie beispielweise die Finanzkrise gar nicht erst eintreten würden. „Wir kennen dieses alte Ding It's a man´s world. Männer haben es beruflich immer noch wesentlich leichter. Wenn sich da nicht bald was ändert, dann gehen die Frauen nicht nur frustriert nach Hause, sondern der gesamten Wirtschaft geht etwas verloren.“

Der Prachtkerl, der die Frauen liebt

 © Vytenė Stašaitytė
Für dieses Foto mit Museumschefin Marianne Pitzen musste sich der Künstler klein machen (Foto: Vytenė Stašaitytė)
Der 55-jährige Künstler will sich nicht in eine bestimmte Ecke drängen lassen: Er ist nicht homosexuell, war verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Er ist ein „Turm von einem Mann, ein zwei Meter hoher Prachtkerl“, wie ihn ein befreundeter Galerist beschreibt - ist aber dennoch überzeugter Feminist. „Ich liebe die Frauen und ich bin feministisch angesetzt, aber ich bin ein Mann“, betont er immer wieder. „Ich möchte aber gerne, dass alles gerecht verteilt wird - 50:50.“ In seinem Freundeskreis gibt es dennoch mehr Männer als Frauen. „Aber in der Freundschaftsfrage lege ich auf das Geschlecht nicht so viel Wert. Es gibt ja Frauen, die wie Männer saufen können. Es gibt aber auch Männer, die Etepetete sind.“

Ausgerechnet dieser „Traummann“ ist nun mitten in einer Ausstellung präsent, die sich dem Aufbegehren der Frauen gegen die dominante Männerwelt widmet. Auch das eine kleine Provokation: Denn WKMF will mit seinen Werken auf Missstände hinweisen.

So haben nicht nur die Schokoladenbrunnen mit den männlichen Geschlechtsteilen eine Signalwirkung, sondern auch die Siebdrucke im Hintergrund an der Wand: Frauenporträts aus unterschiedlichen Milieus. Eine Bettlerin mit Kind am Straßenrand, daneben ein Mutter-Kind-Porträt wie aus einem Heile-Welt-Werbespot der 1950er Jahre. Außerdem stellt sich der feministische Maler die Frage: „Welches Geschlecht hat Gott?“ Eine Frage, an der schon viele verzweifelt sind, deren Antwort man in der Kunst vielleicht am nächsten kommen kann.
Von Vytenė Stašaitytė
Veröffentlicht am 19. Dezember 2012 auf „dw.de“
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