Berlin

Berlin, 26.1.2013: Čus, Berlin!

 © Undine Adamaite
Undīne Adamaite zurück in Riga: „Hier hat sich viel verändert“ (Foto: Privat)

Heute geht’s wieder nach Hause, nach Riga. Die letzten drei Wochen waren wunderbar – vielen Dank, Berlin!

Ich bin überrascht, dass einige Deutsche in hervorragendem Lettisch Ciao – das in Lettland beliebteste Wort, um sich im Alltag zu begrüßen und zu verabschieden – sagen. Aber das deutsche tschüss bekommen Letten nur in der richtigen Intonation hin, wenn sie die Silben des Wortes čūska (Schlange) einzeln aussprechen. Zuerst čūs (zum Beispiel im Geschäft) und dann ganz leise zu sich, schon hinter der Türschwelle – ka. Diese Methode hat mir eine Freundin beigebracht. Und sie funktioniert wirklich.

Wieder zu Hause erscheint Riga so klein. Es kommt mir vor, als könnte ich es „auf den Schoss nehmen und liebkosen”, wie es in einem lettischen Lied heißt. Doch schon am nächsten Tag surfe ich im Internet, übrigens das viertschnellste der Welt, und das spürt man wirklich. Zumindest in meinen Träumen plane ich meine nächste Fahrt nach Berlin. Ich wünschte, Berlin wäre irgendwo hinter Daugavpils, eine Stadt in Lettland, 218 Kilometer von Riga. Trotz der kleinen Steinchen, die meine neuen Stiefel drei Wochen lang traktiert haben, kommt es mir vor, als sei ich abhängig geworden von der Berliner U-Bahn, der Größe der Stadt, den Ausstellungen und öffentlichen Orten ohne beobachtende Blicke.

Aber vielleicht ist alles völlig anders? Denn schon am ersten Tag nach meiner Rückkehr fällt mir auf , dass die Menschen in Riga genauso tüchtig joggen wie die Berliner. Während meiner drei Wochen Abwesenheit hat sich viel verändert.


Von Undīne Adamaite
Übersetzt aus dem Lettischen von Felix Lintner


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